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Wissenschaftlich erklaert — Teil des Angststoerung-Clusters

Panikattacke Was Passiert: Was du wissen musst

Eine Panikattacke ist eine plötzliche, intensive Angstreaktion mit körperlichen Symptomen wie Herzrasen und Atemnot. Verstehen, was dabei passiert, hilft dir, die Kontrolle zurückzugewinnen.

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Lesezeit3 Minuten
Aktualisiert20. April 2026
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BegründerDavid H. Barlow und Michelle G. Craske, Pioniere der kognitiven Verhaltenstherapie bei Panikstörugen · 2000
Wissenschaftlich belegt · 2 Quellen

Kapitel IEinführung

Eine Panikattacke fühlt sich an wie ein Notfall. Dein Herz rast, du kannst nicht atmen, Schweiß bricht aus, und ein überwältigendes Gefühl von Gefahr erfasst dich. Viele Menschen, die ihre erste Panikattacke erleben, sind überzeugt, dass sie einen Herzinfarkt haben oder verrückt werden. Diese Angst vor der Angst selbst ist oft das schwierigste Element der Panikstörung.

Doch was passiert wirklich während einer Panikattacke? Warum reagiert dein Körper so dramatisch auf eine Bedrohung, die oft gar nicht real ist? Die gute Nachricht: Das Verständnis des Mechanismus hinter Panikattacken ist der erste Schritt zur Bewältigung. Wenn du weißt, was in deinem Gehirn und deinem Körper passiert, verliert das Phänomen seinen mysteriösen Schrecken und wird zu etwas, das du aktiv beeinflussen kannst.

Kapitel IIWissenschaftlicher Hintergrund

Panikattacken sind das Ergebnis eines überaktiven Alarmsystems in deinem Gehirn. Das limbische System, insbesondere die Amygdala, reagiert auf wahrgenommene Bedrohungen mit der sogenannten Fight-Flight-or-Freeze-Reaktion. Bei einer Panikattacke werden Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin massiv ausgeschüttet, obwohl keine echte physische Bedrohung vorliegt.

Forschungen zeigen, dass Menschen mit Panikstörung eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber körperlichen Empfindungen haben. Ein leicht erhöhter Herzschlag wird katastrophal interpretiert, was wiederum mehr Adrenalin freisetzt und einen Teufelskreis schafft. Neurobiologische Studien haben auch Abnormalitäten in der Kommunikation zwischen dem präfrontalen Kortex (zuständig für rationales Denken) und der Amygdala (zuständig für Angst) identifiziert, was erklären könnte, warum rationale Gedanken während einer Panikattacke oft nicht helfen.

Kapitel IIIWirkungsmechanismus

Eine typische Panikattacke beginnt oft mit einem Trigger, der unbewusst sein kann. Das kann eine körperliche Sensation sein (wie Herzrasen nach dem Sport), eine Erinnerung oder sogar nichts Offensichtliches. Sobald das Alarmsystem aktiviert ist, folgen schnell hintereinander körperliche Symptome: erhöhte Herzfrequenz, Kurzatmigkeit, Schwindel, Schwitzen und ein intensives Gefühl von Kontrollverlust oder Todesangst.

Der kritische Punkt ist die sogenannte "Angst vor der Angst". Viele Menschen interpretieren diese körperlichen Symptome als katastrophal und beginnen, Situationen zu vermeiden, in denen eine Panikattacke auftreten könnte. Das Vermeidungsverhalten verstärkt die Angststörung. Eine typische Panikattacke dauert 5 bis 20 Minuten, wobei der Höhepunkt meist nach etwa 10 Minuten erreicht wird. Danach klingt die physiologische Reaktion natürlicherweise ab, aber die emotionale Nachwirkung kann länger anhalten.

Studie im Fokus

Facilitation of Fear Extinction with Cognitive Load and Biological Challenge

Diese Studie demonstrierte, dass die Kombination von kognitiver Last und biologischen Herausforderungen die Extinktion von Angstreaktionen unterstützen kann. Dies hat wichtige Implikationen für die Behandlung von Panikstörungen durch Expositionstherapie.

Autoren: Craske MG, Kircanski K, Epstein AM, et al.Jahr: 2009Design: Randomisierte kontrollierte Studie

Kapitel IVPraktische Übungen

Übung · 3 Minuten

4-7-8 Atemtechnik zur sofortigen Beruhigung

Ideal bei: Wende diese Technik an, wenn du erste Anzeichen einer Panikattacke bemerkst oder dich in einer stressigen Situation befindest

  1. Atme 4 Sekunden lang durch die Nase ein und zähle dabei langsam (eins, zwei, drei, vier)
  2. Halte deinen Atem für 7 Sekunden an
  3. Atme langsam für 8 Sekunden aus durch den Mund aus

Grounding-Technik "5-4-3-2-1" · 5 Minuten

Ideal bei: Nutze diese Erdungs-Technik, wenn du merkst, dass du dich abgelöst oder schwindlig fühlst, um dich wieder im gegenwärtigen Moment zu verankern

  • Benenne 5 Dinge, die du sehen kannst (Farben, Formen, Objekte)
  • Benenne 4 Dinge, die du berühren kannst und spüre ihre Texturen
  • Benenne 3 Dinge, die du hören kannst und höre aktiv hin

Progressive Muskelentspannung · 10 Minuten

Ideal bei: Führe diese Übung regelmäßig durch, idealerweise täglich als Prävention oder auch während ruhigerer Phasen nach einer Panikattacke

  • Spanne systematisch verschiedene Muskelgruppen an (Fäuste, Schultern, Beine) für 5 Sekunden und entspanne sie dann bewusst
  • Beginne oben (Gesicht) und arbeite dich langsam nach unten (Beine)
  • Achte auf den Kontrast zwischen Anspannung und Entspannung und vertiefe die Entspannungserfahrung

Kapitel VFür wen geeignet

Wenn du häufig Panikattacken erleidest oder wenn diese dein tägliches Leben erheblich beeinträchtigen, ist es wichtig, professionelle Hilfe zu suchen. Ein Psychotherapeut oder Psychiater kann eine Diagnose stellen und evidenzbasierte Behandlungen wie kognitive Verhaltenstherapie (KVT) oder bei Bedarf Medikation anbieten. Kontaktiere deinen Hausarzt oder suche über die Krankenkasse nach zertifizierten Therapeuten.

Kapitel VIHäufige Fragen

Kann eine Panikattacke gefährlich sein?

Physisch ist eine Panikattacke nicht gefährlich, auch wenn sie sich so anfühlt. Dein Körper aktiviert eine normale Stressreaktion, nur übersteigert. Es ist wichtig zu wissen, dass eine Panikattacke nicht zu einem Herzinfarkt oder Zusammenbruch führt.

Wie lange dauert eine Panikattacke normalerweise?

Die meisten Panikattacken erreichen ihren Höhepunkt nach 5 bis 10 Minuten und klingen dann graduell ab. Die gesamte Episode dauert typischerweise zwischen 5 und 20 Minuten, obwohl sich die Zeit subjektiv viel länger anfühlen kann.

Kann ich eine Panikattacke verhindern?

Vollständig verhindern ist schwierig, aber du kannst das Risiko reduzieren durch regelmäßige Achtsamkeitspraxis, ausreichend Schlaf, Vermeidung von übermäßigem Koffein und Alkohol sowie regelmäßige Bewegung. Professionelle Unterstützung durch Verhaltenstherapie ist besonders wirksam.

Wissenschaftliche Grundlage

Quellen & Literatur.

Jede Aussage in diesem Artikel ist auf peer-reviewte Literatur oder Lehrbücher gestützt.

01

Craske MG, Kircanski K, Epstein AM, et al. (2009)

Facilitation of Fear Extinction with Cognitive Load and Biological Challenge

Randomisierte kontrollierte Studie

Studie ansehen ↗

02

Gorman JM, Kent JM, Sullivan GM, Coplan JD (2000)

Neuroanatomical Hypothesis of Panic Disorder

Narrative Review

Studie ansehen ↗

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